Ein Blick auf den großen Vorsitzenden

Goldene Wochen - goldene Reisen?

· 17. Oktober 2007, 17:19 · Permanenter Link ...

Den Schnupfen halbwegs bekämpft, wagen wir uns auf unser erstes Reiseabenteuer, oder eher Abenteuerchen. Wir wollen es etwas locker angehen lassen und wagen uns nur bis Peking. Leider sind gerade Nationalfeiertage, was bedeutet, dass man mit ca. der Hälfte aller Chinesen unterwegs ist. Die andere Hälfte fährt unterdessen in die andere Richtung.

Das bedeutet leider nicht, das die Hauptstadt nun leer wäre. Im Gegenteil. Aus irgendeinem, mir unbekanntem Grund gibt es zusätzlich zu den zwei Hälften Chinesen noch eine dritte Hälfte, die sich auf dem Platz des himmlischen Friedens und der Verbotenen Stadt versammelt hat. Wer also wissen möchte, wie viele Chinesen es wirklich gibt, sollte sich während einer der drei Feiertage aufmachen und in China verreisen. Leute mit Klaustro-, Agora- oder anderen Menschenphobien sollten eher den Rat der Experten befolgen und zu Hause bleiben oder sich vielleicht ein Attest mit Reisefähigkeit geben lassen. Menschen, Menschen, nichts als MenschenKlicken Sie, um zu vergrößern.

Nebenbei bemerkt, hat die “China Daily” gerade eine Umfrage gemacht, ob man das Feriensystem nicht anders gestalten solle, um so “der Belastung der öffentlichen Systeme” entgegenzuwirken.

Nun haben wir entschlossen, dass wir keiner der zu attestierenden Gruppe zugehörig sind und wagen es, erstmal mit dem Taxi zum Bahnhof zu fahren, was ja kein Problem ist. Schließlich sind wir ja nach 4 Wochen China alte Hasen, was das Taxifahren in Tianjin betrifft. “Wŏmen yào qù Beijing” … Doch halt, wir wollten ja nicht mit dem Taxi nach Peking … Also nochmal, “Wŏmen yào qù huŏchēzhàn”. Wir wollen zum Bahnhof.

Viele Leute am TiananmenplatzKlicken Sie, um zu vergrößern.Einmal am Bahnhof angekommen, bekommen wir einen Vorgeschmack darauf, wie es weitergehen wird. Katrin schreibt in ihrem Blog recht zutreffend über eine Stunde Fahrkarte kaufen, eine Stunde Wartehalle, eine Stunde Zugfahrt. Überall wuseln Menschen herum. Offiziell aussehende Personen sprechen durch das Megafon mit der Masse, bequemerweise aber auch gleich direkt zu uns oder zu anderen. Leider bringt Lautstärke nicht immer gleich Verständnis mit sich, so dass man diese Prozedur gut etwas länger geniessen kann.

Wer an einem Bahnhof mal dringend muss, sollte als verwöhnter Europäer die Toiletten für das große Geschäft meiden, es sei denn, man möchte sich zur Schau stellen. Türen sind bei soviel Menschen natürlich nur ein Hindernis. Das hat natürlich auch wiederum einen Vorteil. Man kann endlich sehen, was die anderen immer so auf dem Klo treiben. Da einem das aber hinlänglich aus eigener Erfahrung bekannt sein sollte, schaut man nicht hin und begibt sich schnellstmöglich zu seinem eigenen Loch im Boden.

Von Peking bekommen wir erst einmal soviel mit, dass zumindest zwischen dem Bahnhof und der verbotenenen Stadt alles ziemlich neu aussieht. Wir haben aber von anderen später sagen hören, dass es auch in Peking durchaus viele Baustellen gibt.

Erst einmal wollen wir es uns in einem Restaurant schmecken lassen. Bestellt wird nach unserer üblichen Methode.

  1. Aussehen, als ob wir wissen was wir tun.
  2. In die Speisekarte gucken und den Blick wissend schweifen
    lassen.
  3. Mutig den Kellner angucken und sagen “Wŏmen xiăng zhè ge …” (Ich möchte dies …) und gekonnt den Finger irgendwo hinsetzen.

Auch völlig hinüberKlicken Sie, um zu vergrößern.Meistens klappt das, der Kellner nickt. Wenn er oder sie jedoch eine Frage hat, dann wird es schwierig. Denn Chinesen sind hilfsbereit und lassen sich auch durch ein “Méi guānxi” (Macht nichts) von ihrer Arbeit abbringen. Irgendwann ist es dann aber geschafft und wir können hoffen, etwas Gutes bestellt zu haben. Meistens klappt das auch, weil man von sehr verschiedenen Bereichen gewählt hat. Manchmal bekommt man auch so komische Sachen, wie Nierenrinde o. ä.

Wieder zurück auf der Straße in Richtung Verbotene Stadt werden die Menschenmassen dichter. Wie gesagt, irgendwo gibt es immer noch Chinesen, obwohl doch die meisten auf der Urlaubsreise sein sollten!

Bevor wir allerdings uns die Verbotene Stadt ansehen können, lernen wir noch ein wahrscheinlich speziell chinesisches Businessmodell kennen.

Can I make a photo with you?Klicken Sie, um zu vergrößern.Auf einmal taucht neben uns eine junge Frau auf, die sich in einem ganz guten Englisch als Lena vorstellt und fragt, wo wir denn her seien. Darauf geeicht, möglichst immer freundlich sein zu müssen, das Gesicht nicht verlieren zu wollen, antworteten wir auch höflich, dass wir aus Deutschland seien. So gingen wir weiter in Richtung Verbotene Stadt und tauschten Nettigkeiten aus, in der Art “You are handsome” für mich hin “You are pretty” für Katrin.

Schließlich an einem Laden vorbeikommend löst sich das Rätsel für uns auf. Wir waren natürlich “gutaussehend” und “hübsch”, weil wir etwas kaufen sollen. Wir lehnen dankend ab und gehen nicht ohne Hintergedanken weiter.

Total k.o.Klicken Sie, um zu vergrößern.Die Verbotene Stadt ist abgesehen von den Gebäuden durchaus auch einen Besuch wert. Als Europäer hat man die Chance mit Einheimischen fotografiert zu werden. Zur Zeit gibt es leider sehr viele Baugerüste, wahrscheinlich um den Palast fit für Olympia zu machen.

Zum Schluß wollen wir noch einen Abstecher zum Platz des Himmlischen Friedens machen, was uns unsere Füße im Hinblick auf die Massen an Menschen nicht sehr danken …

— Markus Nowatzki        

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